Wie läuft ein Auftrag bei mir ab?

Um die meist gestellte Frage gleich zu beantworten:

Ich kann keinen verbindlichen Preis nennen, wenn ich das Fahrzeug nicht im entlackten Zustand begutachtet habe.

Ich bekomme wöchentlich Nachrichten mit der Frage: „Was kostet eine Lackierung bei meinem Fahrzeug?“
Diese Frage ist für mich, ohne persönliche Besichtigung, und im besten Fall ohne entlackten Untergrund, nicht seriös zu beantworten.

Dieser Blog soll zwei Dinge erfüllen:

  • Transparenz nach außen schaffen

  • Eine klare, nachvollziehbare Grundlage, an der sich Interessenten vorab orientieren können, um Missverständnisse und endlose Rückfragen zu vermeiden.

Unklare Kommunikation wird in der Branche oft als „Taktik“ des Handwerkers interpretiert um schlussendlich eine höhere Rechnung stellen zu können.

Deshalb ist mein Ansatz das genaue Gegenteil:

Mir ist es wichtig, für meine Kundinnen und Kunden eine klare Ausgangslage zu schaffen, bei der beide Seiten mit dem gleichen Wissensstand in ein Projekt starten. Nur so entsteht eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe die transparent, respektvoll und ohne Unsicherheiten stattfinden kann.

Ein entlacktes Fahrzeug ermöglicht mir eine ehrliche und fundierte Einschätzung des Untergrundes und damit klare Aussagen zu Aufwand, Vorgehensweise und Ziel. So wissen sowohl der Kunde / die Kundin als auch ich von Beginn an, worauf wir uns bei diesem Projekt einlassen.
Das schafft Vertrauen, vermeidet Missverständnisse und bildet die Grundlage für einen professionellen Auftrag, bei dem sich beide Seiten gesehen und wertgeschätzt fühlen.

 

1. Anfrage & Erstkontakt

Der Erstkontakt erfolgt in der Regel über:

  • E-Mail

  • Telefon

  • Social Media

Welche Infos brauche ich bei der ersten Anfrage?

Je mehr Informationen ich zu Beginn habe, desto effizienter läuft der gesamte Prozess.

Wichtig sind vor allem:

  • Handelt es sich um eine Vollrestauration, Teilrestauration (meist Außenhaut) oder eine Reparatur?

  • Ist es dem Kunden / der Kundin möglich das Fahrzeug in meine Werkstatt zu bringen, damit es vor Ort begutachtet werden kann?

Welche Fahrzeuge betreue ich und welche nicht?

Viel wichtiger als Marke oder Modell sind:

  • Der technische und strukturelle Zustand des Fahrzeuges

  • Kommunikation und Zusammenarbeit

Ein ganz zentraler Punkt der mir extrem wichtig ist:

Die Beziehung und mein Bauchgefühl zum Kunden / zur Kundin stehen für mich oft über dem Fahrzeug selbst.

Zwei Kunden eines Triumph Roadster 2000 stehen gemeinsam mit dem Oldtimermeisterlackierer in der Werkstatt in Hallein, Salzburg.

Gute Zusammenarbeit beginnt mit einem guten Gefühl

Wenn ich bei einem Projekt oder einer Zusammenarbeit ein schlechtes Gefühl habe, nehme ich den Auftrag nicht an, unabhängig davon, um welches Fahrzeug es geht.

 

2. Keine Preis- oder Zeitangabe ohne Besichtigung

Eine preisliche oder zeitliche Auskunft ist ohne Besichtigung des entlackten Fahrzeugs grundsätzlich nicht möglich.

Warum?

  • Den tatsächlichen Arbeitsumfang kann ich nur am realen Untergrund beurteilen

  • Lack kann Probleme verbergen, die erst nach dem Entlacken sichtbar werden

Wenn das Fahrzeug noch nicht entlackt ist, analysiere ich:

  • Die vorhandene Lackierung

  • Schadensbilder wie: Blasen, Risse, Einfallstellen, ungewöhnliche Schichtstärken

Diese Hinweise lassen oft bereits Rückschlüsse auf mögliche Probleme im Untergrund zu.

Warum ein fixer Preis erst nach dem Entlacken möglich ist?

Erst nach dem Entlacken kann ich beurteilen ob die Karosserie eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften aufweist:

  • Rost

  • Wellen

  • Spachtelarbeiten

  • Strukturelle Schäden

Nach dem Entlacken des Mercedes SL190 zeigten sich massive Schäden im Untergrund. Erst durch umfangreiche Spenglerarbeiten war eine hochwertige, nachhaltige Lackierung überhaupt möglich.

Praxisbeispiel: Mercedes SL190

Bereits im lackierten Zustand waren problematische Stellen erkennbar.

Nach dem Entlacken kamen massive Schäden im Untergrund zum Vorschein. Bevor das Auto zu mir in die Werkstatt kam, waren intensive Spenglerarbeiten notwendig.

Ohne diese Vorarbeiten wäre eine hochwertige Lackierung nicht möglich gewesen.

 

2.1 Restauration auf bestehenden Lackaufbau

Es gibt Kunden, die den alten Lack am Fahrzeug belassen und einen neuen Aufbau darüber möchten.

Ich bin davon in den meisten Fällen klar abgeneigt, außer:

  • Die Vorlackierung ist nachweislich in einem technisch perfekten Zustand

  • Der Kunde / die Kundin verzichtet bewusst auf seinen Garantieanspruch

Der Grund ist ganz einfach:

Ich kann keine Garantie für die Haltbarkeit meiner Lackierung übernehmen, wenn diese vom Zustand des darunterliegenden Blechs und einer fremden Vorlackierung abhängt.

Persönliche Begutachtung

Am liebsten ist es mir, wenn der Kunde / die Kundin das entlackte Fahrzeug zu mir in die Werkstatt bringt.
Alternativ kann nach Absprache auch eine Vor-Ort-Begutachtung vereinbart werden.
Dieser Termin wird nach Zeitaufwand sowie Anfahrtskilometern im Voraus in Rechnung gestellt. Bei Zustandekommen eines Auftrags wird dieser Betrag auf den Gesamtpreis angerechnet.

 

3. Projektumfang & Zieldefinition

Der Projektumfang wird gemeinsam mit dem Kunden / der Kundin definiert.

In den meisten Fällen besteht bereits eine klare Vorstellung.

Originalität vs. Perfektion

Hier teilt sich die Branche klar in zwei Gruppen:

1. Originalität, Seele & Patina

  • Erhalt oder exakte Wiederherstellung des Originalzustands

  • Oft Spot-Repair statt Vollrestauration

  • Historisch korrekte Lackaufbauten exakt nach Werksvorgabe

2. Perfektion & maximale Haltbarkeit

  • Technisch stabilster Aufbau, der möglich ist

  • Keine Einfallstellen, keine Makel

  • Originaler Farbton, aber pflegeleichter und jahrzehntelange Haltbarkeit und Stabilität

Am Ende geht es immer um eine bewusste Entscheidung:

Originalität & Seele vs. Perfektion, Langzeitbeständigkeit

 

4. Was ist im Preis enthalten?

Die Kommunikation erfolgt zuerst mündlich und danach schriftlich in einem Angebot.

Das Angebot enthält eine detaillierte Aufschlüsselung aller Leistungen mit Preisen.

Alles, was darüber hinausgeht, wird:

  • Als Zusatzleistung

  • Mit klar definierten Mehrkosten ausgewiesen

Bei Unklarheiten oder Abweichungen halte ich sofortige Rücksprache. Ich treffe grundsätzlich keine wichtigen Entscheidungen ohne Freigabe.

 

5. Finishkategorie

Es kann bei mir zwischen professionellem hochwertigem Finish und dem Egger´s Surface System (Klavierlack) gewählt werden.

Durch genug Erfahrungswerte können beide Finisharten genau im Vorhinein kalkuliert werden.

Bentley S1 James Young mit dem Egger’s Surface System (ESS) in klassischem Klavierlack-Finish. Die Lackierung steht für maximale Planheit, Tiefe und Reflexionsruhe auf Concours-Niveau.

Bentley S1 James Young mit dem Egger´s Surface System (Klavierlack).

 

6. Transparente Preisstruktur

Jedes Projekt wird komplett digital zeiterfasst und nach Abschluss nachkalkuliert

So ist exakt nachvollziehbar welcher Arbeitsschritt, wie viel Zeit beansprucht hat.

 

7. Auftragsbestätigung & Terminvergabe

Ich bin ein Kleinbetrieb und kann nur eine begrenzte Anzahl an Fahrzeugen parallel bearbeiten.

Deshalb gibt es eine Warteliste die ich abarbeite. Termine werden erst mit Auftragsbestätigung fixiert.

Muss der Kunde / die Kundin etwas vorbereiten?

Nein. Der Kunde / die Kundin kann das komplette Projekt über mich abwickeln.

Ich arbeite mit vertrauenswürdigen, langjährigen Partnerbetrieben zusammen:

  • Entlackung

  • Mechanik

  • Elektrik

  • Sattlerei

  • Spenglerei

Alternativ kann der Kunde / die Kundin natürlich auch eigene Betriebe einbinden.

Zu sehen ist die Rohkarosse einer BMW CSL „Batmobile“, die mit allen formgebenden Teilen montiert angeliefert wurde. Nur so können Spaltmaße exakt kontrolliert und die Grundlage für eine hochwertige Lackierung geschaffen werden.

Hier ist wichtig:

Das Fahrzeug muss mit allen formgebenden Teilen montiert angeliefert werden:

  • Türen

  • Zierleisten

  • Hauben

  • Lichter

  • Blinker

Nur so können Spaltmaße korrekt überprüft werden und die höchste Qualität garantiert werden.

 

8. Dokumentation

Der Kunde / die Kundin erhält:

  • Fotodokumentation des gesamten Prozesses

  • Sticker mit Farbcode im Fahrzeug

  • Pflegehinweise bei Übergabe

Für mich bedeutet das Sicherheit und der Kunde / die Kundin freut sich über ein detailliertes Restaurationsprotokoll, welches er/sie bei einem Verkauf, Wertgutachten oder einer Reparatur vorlegen kann.

 

9. Garantie & Gewährleistung

Sollten im Nachhinein kleinere Problemstellen auftreten, werden diese selbstverständlich kostenfrei von mir korrigiert.
Ist eine persönliche Nachbesserung aufgrund der örtlichen Entfernung nicht sinnvoll, übernehme ich die Kosten für eine fachgerechte Korrektur durch einen anderen Betrieb.

Größere Fehler würden ebenso ohne Diskussion von mir behoben werden.
In über 30 Jahren Berufserfahrung ist dieser Fall jedoch noch nie eingetreten.

Der Anspruch auf Gewährleistung besteht im gesetzlichen Rahmen und endet zwei Jahre nach Übergabe des Fahrzeugs.

 

10. Warum dauert ein Auftrag so lange?

Die Dauer eines Projekts ergibt sich aus zwei bewussten Faktoren:

1.) Ich arbeite parallel an mehreren Fahrzeugen.
2.) Ein zentraler Qualitätsaspekt ist dabei die konventionelle, natürliche Aushärtung von Grundierungen und Lacken.

Ich verzichte bewusst auf forcierte Trocknung, da diese zwar Prozesse beschleunigen kann, langfristig jedoch dem Lackbild, der Stabilität und der Haltbarkeit schadet.
Durch die natürliche Aushärtung steigt die Qualität der Lackierung maßgeblich.

 

11. Auftragsabschluss und Anlieferung

Der Auftragsabschluss erfolgt, sobald das Fahrzeug vollständig lackiert, gefinisht und die Restzahlung vom Kunden / der Kundin getätigt wurde. Dann wird das Fahrzeug entweder persönlich abgeholt oder von mir ausgeliefert.

Bei der Übergabe wird das Fahrzeug begutachtet und danach gilt der Auftrag als abgeschlossen.

Übergabe eines Triumph Roadster 2000 nach Abschluss der hochwertigen Lackierungsarbeiten. Das Foto zeigt Kunden und Oldtimermeisterlackierer bei der persönlichen Fahrzeugübergabe vor der Werkstatt.

Übergabe vom Triumph Roadster 2000

 

12. Zahlungsmodalitäten & Standgebühren

Die Zahlung erfolgt in drei Teilbeträgen:

1. Teilzahlung (~1/3):

  • fällig bei Unterzeichnung der Auftragsbestätigung

2. Teilzahlung (~1/3):

  • In der Mitte des Auftrages

  • Fällig binnen 7 Tagen

  • Ab Tag 8: Arbeitsstopp + Standgebühr € 22,00 netto / Tag

3. Restzahlung:

  • Die Fahrzeugübergabe erfolgt erst nach vollständigem Zahlungseingang

  • 7 Tage vor Übergabe wird der Restbetrag in Rechnung gestellt

  • Ab Tag 8 der unbezahlten Rechnung: Standgebühr € 22,00 netto / Tag


Rücktritt vom Auftrag durch den Auftraggeber:

Wird ein bereits bestätigter Auftrag vom Auftraggeber storniert oder zurückgezogen, gelten folgende Regelungen:

Rücktritt bis 12 Monate vor geplantem Arbeitsbeginn:
Rückerstattung der Anzahlung zu 100 % abzüglich einer Bearbeitungsgebühr von € 300,00 netto

Rücktritt zwischen 12 und 6 Monaten vor geplantem Arbeitsbeginn:
Rückerstattung von 2/3 der geleisteten Anzahlung

Rücktritt zwischen 6 und 3 Monaten vor geplantem Arbeitsbeginn:
Rückerstattung von 1/3 der geleisteten Anzahlung

Rücktritt ab 3 Monate vor geplantem Arbeitsbeginn:
Keine Rückerstattung der geleisteten Anzahlung

Diese Regelung ist erforderlich, da bestätigte Aufträge verbindlich in die Arbeits- und Kapazitätsplanung aufgenommen werden.


Zahlungsverzug:

Bei Zahlungsverzug von mehr als 7 Tagen gelten folgende Maßnahmen:

  • Verrechnung einer Manipulationsgebühr in Höhe von € 100,00 netto

  • Verrechnung von Standgebühren in Höhe von € 22,00 netto pro Kalendertag

  • Zwischenlagerung des Fahrzeugs

  • Wiedereingliederung in den Arbeitsplan frühestens nach 2–4 Wochen, abhängig von der aktuellen Auslastung

Für den Zeitraum zwischen Zahlungseingang und tatsächlicher Wiederaufnahme der Arbeiten fallen keine Standgebühren an.

 

13. Abschließende Worte:

Dieser Ablauf soll keine Hürde darstellen, sondern für beide Seiten Klarheit schaffen.
Je transparenter die Ausgangslage ist, desto ruhiger, effizienter und hochwertiger lässt sich ein Projekt umsetzen.
Wenn beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen, entsteht eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ohne Überraschungen, ohne Unsicherheiten und ohne Kompromisse bei der Qualität.

Mein Anspruch ist es, Fahrzeuge so zu bearbeiten, dass sie technisch und optisch langfristig überzeugen.
Bei mir bekommt ein Kunde / eine Kundin keine leeren Versprechen, sondern nachvollziehbare Entscheidungen, saubere Prozesse und eine kompromisslose Ausführung.

Jörg Egger / Oldtimermeisterlackierer

Christian Egger

Marketing & Kommunikation

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